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Be Pride!

Der Juni hat begonnen und damit auch der Pride Month! Doch warum wird vor allem im Juni die Pride gefeiert und was hat Mode eigentlich mit Pride zu tun? Die Antworten auf diese Fragen und mehr gibt’s in unserem Be Pride-Magazinartikel!

Der Pride Month Juni

Der Juni ist der Pride-Month schlechthin – doch warum eigentlich? Dies hängt mit dem Stonewall-Aufstand aus dem Jahr 1969 zusammen: In der Nacht vom 27. auf den 28. Juni stürmten Polizisten wie schon viele Male davor die Homosexuellen-Bar „Stonewall Inn“ in der Christopher Street in Manhattan, New York. Aber in dieser Nacht geschah etwas Neues: Erstmals begann sich eine Vielzahl der Bargäste gegen die gewaltsame Verhaftung durch die Polizei zu wehren – es kam zu tagelangen Unruhen. Mit diesem Widerstand setzten sowohl homo- als auch transsexuelle Menschen ein Zeichen gegen die anhaltende Diskriminierung. Das Ereignis wurde zu einem Wendepunkt der Homosexuellen- und Transsexuellen-Bewegung in den USA.

Zuerst wurde der Stonewall-Aufstand am letzten Sonntag im Juni gefeiert, doch mit der Zeit kamen mehr und mehr Veranstaltungen hinzu und bald wurde der gesamte Monat Juni zum Pride Month erklärt. Bei Umzügen, Picknicks, Konzerten, Partys & Workshops werden mittlerweile nicht nur Vielfalt und Diversität gefeiert, sondern auch den Menschen gedacht, die Hassverbrechen zum Opfer fielen oder an HIV starben.

Auch in Deutschland finden die Christopher Street Day Events (der Name ist eine Anlehnung an die Straße, in der der Aufstand stattfand) von April bis August statt – die meisten allerdings tatsächlich im Juni. Der CSD wird traditionell mit einer großen Polit-Parade durch die Stadt voller Regenbogenflaggen, dem Zeichen der LGBTQ-Community, zelebriert.

Dabei feiern nicht nur Mitglieder der Community, sondern alle, die sich für die Gleichberechtigung von Homosexuellen, Bisexuellen, Transgender, Queer-Personen und allen anderen aussprechen. Denn der Pride Month Juni ist nicht nur die Anerkennung für das, was die LGBTQ-Community bis jetzt erreicht hat, sondern soll auch darauf aufmerksam machen, dass die Community noch immer mit Diskriminierung und Hass zu kämpfen hat.

LGBTQ steht übrigens für Lesbian, Gay, Bisexual, Trans & Queer. Oft wird noch ein Plus (+) hinzugefügt und steht für all die, deren Geschlecht und Sexualität nicht einfach mit Worten erklärt werden kann. (Mehr dazu gibt es in diesem sehr spannenden Artikel der New York Times.)

Die Regenbogen-Flagge

Die Regenbogenflagge ist das Symbol der LGBTQ-Community und steht für eine bunte, vielfältige Welt ohne Hass oder Diskriminierung, in der jeder er selbst sein kann. Entworfen wurde sie im Jahr 1978 vom amerikanischen Designer Gilbert Baker für den Gay Freedom Day in San Francisco, dem Vorgänger des Christopher Street Days. Mit der Flagge wollte Baker den rosa Winkel als Zeichen für Homosexualität ablösen, den homosexuelle Männer in nationalsozialistischen Konzentrationslagern tragen mussten. Ursprünglich bestand die Flagge aus 8 Farben, von denen heute noch 6 übrig sind: (Pink = Sexualität), Rot = Leben, Orange = Gesundheit, Gelb = Sonnenlicht, Grün = Natur, (Türkis = Kunst), Königsblau = Harmonie, Violett = Geist.

Mode und Pride

Auch die Modewelt nimmt immer mehr am Pride teil und gerade zum Pride-Month Juni wird eine Pride-Kollektion nach der anderen gelauncht. Mit dabei große Marken wie Nike, Adidas, Michael Kors, Calvin Klein, Ralph Lauren, Diesel, Dr. Martens und viele mehr. Doch wie sieht es mit Marken aus, die sich das ganze Jahr mit Gleichberechtigung auseinandersetzen? Die Mode unabhängig von Geschlechts- und Sexualitätsideen herstellen? MIZE FASHION aus Frankfurt am Main ist ein solches Label! Passend zum Pride Month haben wir mit ihnen über Pride & Mode geplaudert:

Zuerst eine kleine Vorstellungsrunde: Wer seid ihr & was macht ihr?

„Wir sind Rayne Petersen, Christopher Hebauf, Daniel Sipf, Marvin Torschmied und Georg Maximilian Dickhaut und zusammen leiten wir MIZE FASHION. MIZE FASHION steht für Kleidung und Kosmetik für alle Gender- und Körperformen: Wir designen, produzieren, bewerben und verkaufen nachhaltige Kleidung und Kosmetik ohne Genderkategorien, für alle Körperformen und für alle, die in ihrem Kleidungs- und Lebensstil frei und unabhängig sein möchten.“

Warum tut ihr das, was ihr tut?

„UNITED BY DIVERSITY – embrace who you are! Wir sind anders. Das ist der Anfang unserer Geschichte. Normalität ist ein statistischer Wert. Normal ist nur, was die meisten Leute sind oder tun. Normal ist keine Wertung – es ist eine Zählung.

Häufig ist es nicht leicht, anders zu sein. Wenn „die meisten“ mit dem Finger auf dich zeigen, weil du anders bist. Wenn du dich zum Beispiel in deiner geschlechtlichen Identität von „den meisten“ unterscheidest – oder in einem anderen Aspekt deines Lebens und Selbsterlebens. Diversität verbindet alle, die dieses Anderssein in sich spüren – so wie wir. Wir stehen dafür, unser Anderssein nicht zu verstecken. Alle dürfen sich zeigen, wie sie sind und wie sie sich mögen. Unsere Gesellschaft ist reif für Vielfalt, für ein Grenzen überwindendes Miteinander – jenseits statistischer Werte und definierter Normalität. Es ist der nächste logische Schritt in unserer Entwicklung. Davon sind wir überzeugt. Wir haben die Vision einer Gesellschaft, in der alle so leben dürfen, wie sie möchten.

Mit MIZE FASHION möchten wir einen Beitrag zu dem Abbau der scharfen Gendergrenzen im Bereich Mode und Kosmetik leisten sowie uns für „body positivity“ einsetzen. Alles in allem möchten wir mit unserem Unternehmen zu einer Gesellschaft beitragen, die Vielfältigkeit zelebriert.“

Worauf legt ihr besonders Wert bzw. welcher Aspekt eurer Arbeit liegt euch besonders am Herzen?

„Authentizität steht bei uns an erster Stelle. Schreiben wir Shootings und sind auf der Suche nach Models, ist uns Authentizität am wichtigsten. Eine aufgesetzte Darstellung unseres Labels würde zu einer Welt und Zeit gehören, in der wir nicht leben möchten.“

Wie hängen Mode & Pride für euch zusammen?

„Mode und Pride, beides sind für uns Kommunikationsmodule auf individueller, kollektivfähiger sowie gesellschaftlicher Ebene. Kurzum, beides dient dazu, etwas zum Ausdruck zu bringen. Pride in der Regel im Kollektiv (Bannerveranstaltung für die Existenz von Queer und Erinnerung an das, was geschafft wurde und was noch zu bewältigen ist). Mode ist in der Regel ein individuelles Sprachrohr für das Senden von Botschaften ohne Sprache, Gestik oder Mimik, dass aber auch kollektivfähig ist, wie zum Beispiel Regenbogen-Shirts, die während einer friedlichen Demonstration getragen werden oder Statement Pieces, mit denen man sich einer der Gesellschaft bekannten „Gruppe“ zuordnet.“

Was möchtet ihr mit eurer Arbeit erreichen oder vielleicht sogar verändern?

„Unsere Vision ist es, einen Teil zu einer Welt beizutragen, in der wir gerne leben möchten: Insbesondere möchten wir mit MIZE FASHION zu einer Gesellschaft beitragen, die Vielfältigkeit zelebriert. Die gegenwärtige positive gesellschaftliche Entwicklung in Bezug auf Diversity und Body Positivity möchten wir mit unserem Unternehmen unterstützen und vorantreiben.“

 

Das können wir von sturbock natürlich nur unterstützen! In unserem neuen „Be Pride“-Set findet ihr daher das coole Unisex-Crop Top von MIZE FASHION sowie weitere coole Unisex-Produkte. Bei der Recherche für dieses Set ist uns aufgefallen, dass es zwar viele Pride-Kollektionen in Deutschland gibt, dafür aber kaum Unisex-Label – ganz im Gegensatz zu den USA, wo Unisex-Fashion schon seit Längerem ein großes Thema ist. Auch dazu stand uns Georg-Maximilian Dickhaut, Gründer und Geschäftsführer von MIZE FASHION, Rede und Antwort:

„Wirkliche Unisexlabels sind in Deutschland in der Regel sehr, sehr klein. Meiner Erfahrung nach ist es für Designer verdammt schwer, ihr Label in Deutschland groß zu machen, wenn man kein spezielles Wissen über betriebswirtschaftliche Sachverhalte insbesondere im Start-up Bereich hat. Staatliche Banken in Deutschland stufen die Mode und Kosmetikbranche aufgrund der Schnelllebigkeit als sehr risikoreich ein. So kommt es dazu, dass in der Start-up Frühphase, auch genannt Seedphase, Förderkredite komplett ausgeschlossen sind. Meiner Meinung nach sieht sich Deutschland sehr bis zu stark als Vorreiter in der Technologie- und Technik-Branche. Dies führt dazu, dass vor allem technische Start-Ups die Zuschläge abräumen und kreative, wie Fashion-Labels, leer ausgehen. Schaut man aber nach Übersee, gibt es Beispiele wie das Diversity Label Nico Panda, dessen Waren unter anderem von der Generation Z leer gekauft werden. Daher wünsche ich mir in diesem Bereich ein bisschen mehr Weitsicht von den staatlichen Unternehmensförderprogrammen und den deutschen Investoren. Ich glaube nicht, dass sich in Zukunft jemand Kruppstahl anziehen möchte.“

Danke an MIZE FASHION für das spannende Interview und den ausführlichen, ehrlichen Einblick hinter die Kulissen eines deutschen Unisex-Labels.

(Bilder MIZE FASHION. Models: Massimiliano Gulino, Mattias Bisignano, Marcel Joswig, Karline Wagner. Fotografie: Lena Sander. Assistenz Fotografie: Melissa Katzenberg)

And now: Be Proud, Be Pride!

Grundsätzlich ist also festzuhalten, dass Mode einen Ausdruck unserer Identität darstellt und wir sie zu weit mehr nutzen können als gut auszusehen 😉 Mit ihr können wir zeigen wer wir sind, was oder sogar wen wir lieben und worauf wir stolz sind. Dabei sollte es nicht darauf ankommen, irgendjemandem zu gefallen oder gewissen Gesellschaftsregeln zu folgen, sondern einzig und allein darauf, sich wohlzufühlen und man selbst zu sein. Und genau das ist PRIDE!